Therapiemöglichkeiten

Operation

Bei der radikalen Prostatektomie wird operativ nach vorangegangener Lymphknotenentfernung  an den Beckengefäßen die gesamte Prostata inklusive der Samenblasen entfernt. Die Entfernung erfolgt üblicherweise über einen Längsschnitt am Unterbauch zwischen Bauchnabel und Schambein.
International ist die Radikaloperation eine Standardmethode im lokal begrenzten Stadium des Prostatakrebses, die vor allem bei noch jungen Patienten unter 60 Jahren bevorzugt werden sollte. Mit dieser Methode kann das lokale Krebsstadium durch den Pathologen genau bestimmt werden, und man erhält eine exakte Ausgangsbasis für die weitere Nachsorge bzw. mögliche weitere Therapie. Nach der vollständigen Entfernung von Tumor und Prostata sinkt der PSA-Wert unterhalb der Nachweisgrenze, was die Nachsorge erleichtert.
Der Erhalt der Kontinenz (Fähigkeit, den Urin halten zu können) ist nach der vollständigen Entfernung des Tumorgewebes der wichtigste Punkt im Rahmen der operativen Therapie. Zudem können in Frühstadien des Tumors die der Prostata anliegenden Nerven für die Erektionsfähigkeit erhalten werden. Dies muss samt Vor- und Nachteilen der Operation sowie die Indikationen der einzelnen Techniken individuell und ausführlich mit dem Patienten besprochen werden.

Urologie am Johanniter Waldkrankenhaus bietet die Fusionsbiopsie in der Prostatakarzinomdiagnostik an

Die Urologische Abteilung der Johanniter Kliniken/Waldkrankenhaus bietet ab sofort die Möglichkeit der Prostatafusionsbiopsie an. Zur Verfügung steht das Gerät der Firma DK-Technologies. Über eine entsprechende Software werden MR-tomographisch nachgewiesene und nach den PIRADS-Kriterien verdächtige Areale auf den Monitor des Ultraschallbiopsiegerätes übertragen. So können neben der herkömmlichen randomisierten Biopsie gezielte Biopsien aus diesen verdächtigen Arealen erfolgen. Vorteilhaft gegenüber der allein MRT-gesteuerten Biopsie ist die Möglichkeit der gleichzeitigen randomisierten oder sogar Sättigungsbiopsie und ein deutlich geringerer apparativer und zeitlicher Aufwand.

Damit erhöht sich nach vorliegenden Studien die Detektionsrate von Prostatakarzinomen gegenüber der einfachen randomisierten Biopsie um bis zu 20 %. Gemäß der aktuellen Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist das Verfahren derzeit noch in erster Linie bei Re-Biopsien nach unauffälliger Vor-Biopsie indiziert.


Strahlentherapie

Die Strahlentherapie hat in der Behandlung von Prostatakrebs eine besonders wichtige Rolle. Sie kann alternativ zur Operation erfolgen, sie kann nach der Operation eines Prostatakrebses mit Risikofaktoren notwendig sein, und sie kann auch bei nicht heilbaren Tumoren gezielt zur Symptomlinderung eingesetzt werden. Es gibt verschiedene Verfahren, um einen Tumor zu bestrahlen:
- die Bestrahlung von außen (perkutane Strahlentherapie)
- die Bestrahlung von innen (Brachytherapie, Seedimplantation)
- die Kombination beider Verfahren.
Welche Methode für Sie infrage kommt, bespricht ein erfahrener Strahlentherapeut mit Ihnen und Ihrer Familie.

Strahlentherapie von außen
Die perkutane Bestrahlung wird heutzutage als konformale Bestrahlung des Tumors und eventuell der angrenzenden Lymphabflusswege durchgeführt. Voraussetzungen sind spezielle Lagerungs- und Immobilisationshilfen, eine dreidimensionale Planung mit Hilfe von Computertomographie-Schichten und moderne Bestrahlungsgeräte. Durch die neueste Technik kann die Strahlendosis im Tumor konzentriert werden, während gleichzeitig das gesunde Gewebe maximal geschont wird. Die derzeit beste perkutane Bestrahlungstechnik ist die intensitätsmodulierte Bestrahlung (IMRT), die bei uns in der RapidArc-Form durchgeführt wird, der aktuell schnellsten Form einer IMRT. Wenn der Prostatakrebs bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gesetzt hat und diese bestrahlt werden müssen, dann wird ebenfalls eine sehr genaue Bestrahlungstechnik eingesetzt, um so schonend wie möglich zu behandeln. Im Einzelfall, z.B. bei Hirnmetastasen, können auch so genannte stereotaktische Bestrahlungstechniken nötig werden.

Strahlentherapie von innen
Die Brachytherapie kann eine Alternative zur Bestrahlung von außen sein. In frühen Tumorstadien werden kleine radioaktive Metallstifte (Seeds) in die Prostata auf Dauer eingebracht. Die andere Möglichkeit ist die vorübergehende Einbringung von Hohlnadeln in die Prostata, über die ein radioaktives Präparat eingeführt wird, welches den Tumor von innen bestrahlt.
Inwiefern Ihre individuelle Erkrankung mit strahlentherapeutischen Verfahren behandelt werden kann und welche Methode die für Sie geeignete ist, bespricht Ihr Strahlentherapeut ausführlich mit Ihnen.

Hormontherapie

Bei der seit mehreren Jahrzehnten etablierten Hormontherapie wird dem Prostatakrebs das für sein Wachstum benötigte männliche Geschlechtshormon Testosteron entzogen. Dies geschieht entweder  durch eine Blockierung der Hormonbildung oder seiner Wirkung. So wird das Wachstum der Prostatakrebszellen für einen gewissen Zeitraum gestoppt. Die Wirkung der Hormontherapie ist zu Beginn sehr gut, lässt aber mit der Zeit nach, da die Tumorzellen "hormontaub" werden können und dann trotz Hormonentzug weiter wachsen. Die durchschnittliche Ansprechdauer beträgt in etwa zwei bis drei Jahre, kann jedoch auch weit über 5-10 Jahre betragen.
Diese Therapieform gilt als Standard für das "gestreute", also metastasierte Karzinom und Tumorrezidive. Die Hormontherapie wird auch bei Patienten eingesetzt, die wegen  anderer Begleiterkrankungen oder des aktuellen Alters eine Lebenserwartung von unter 10 Jahren haben.
Ob die Hormontherapie durch Spritzen und/oder in Tablettenform als durchgehende oder zeitweise unterbrochene Gabe erfolgt, sollte im Rahmen eines Gesprächs mit dem behandelnden Urologen geklärt werden.


Chemotherapie

Unter Chemotherapie wird der Einsatz von Medikamenten, sog. Zytostatika, zur Bekämpfung von Krebszellen verstanden. Bis vor ca. 10 Jahren gab es keine Chemotherapeutika, die das Wachstum des Prostatakarzinoms wirksam verlangsamen bzw. aufhalten konnten. Die Entwicklung von "Tumormedikamenten" hat seit dieser Zeit einen rasanten Sprung erfahren, so dass das fortgeschrittene und "hormontaube" Prostatakarzinom derzeit mittels Chemotherapie über die Vene wie auch in Tablettenform noch gut behandelt werden kann. Auf diese Weise erreicht man eine Rückbildung des Tumors und eine Linderung von Beschwerden. Es muss jedoch in jedem Einzelfall entschieden werden, ob eine Chemotherapie sinnvoll ist, da diese Therapieform auch Risiken birgt.